MS Access ist tot?
Warum ich trotzdem jeden Tag neue Projekte bekomme
„MS Access ist tot.“
Diesen Satz höre ich seit über 20 Jahren. Und trotzdem sitze ich auch heute noch jeden Tag an neuen Projekten, Erweiterungen, Migrationen und Supportanfragen rund um Microsoft Access.
Irgendetwas passt da nicht zusammen.
Wenn Access wirklich tot wäre, warum suchen Unternehmen dann weiterhin nach Access-Entwicklern? Warum investieren Firmen Geld in bestehende Anwendungen? Warum entstehen jedes Jahr neue Datenbanken?
Die Antwort ist einfach:
Weil Unternehmen funktionierende Lösungen brauchen – keine Modetrends.
Die Realität in Unternehmen
In vielen Diskussionen wird so getan, als würde jede Firma mit modernen Cloud-Plattformen, KI-gestützten Prozessen und hochskalierbaren Enterprise-Systemen arbeiten.
Die Realität sieht anders aus.
Viele kleine und mittelständische Unternehmen benötigen keine Millioneninvestition in neue Software. Sie brauchen Lösungen, die ihre täglichen Abläufe unterstützen:
- Auftragsverwaltung
- Projektverwaltung
- Zeiterfassung
- Dokumentenmanagement
- Produktionssteuerung
- Qualitätsmanagement
- Lagerverwaltung
- Auswertungen und Reports
Und genau hier spielt Access seit Jahrzehnten seine Stärken aus.
Warum Access so lange überlebt hat
Microsoft Access wurde nie deshalb erfolgreich, weil es modern war.
Es wurde erfolgreich, weil man damit schnell Lösungen bauen konnte, die exakt zum Unternehmen passen.
Statt die eigenen Prozesse an eine Standardsoftware anzupassen, wurde die Software an die Prozesse angepasst.
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Ich habe Unternehmen begleitet, die mit sechs Mitarbeitern gestartet sind und später über 150 Beschäftigte hatten. Die gesamte Organisation arbeitete mit einer individuell entwickelten Access-Anwendung.
Jede Abteilung hatte ihre eigenen Funktionen.
Jeder Bereich hatte seine eigenen Auswertungen.
Jeder Prozess war exakt auf die Arbeitsweise des Unternehmens zugeschnitten.
Im Hintergrund lief ein leistungsfähiger SQL-Server, während Access die Benutzeroberfläche bereitstellte.
Das System wuchs über Jahre mit dem Unternehmen mit.
Der teure Irrtum vieler Unternehmen
Irgendwann kommt oft der Moment, an dem ein neuer Geschäftsführer, Investor oder Käufer ins Unternehmen kommt.
Dann fällt häufig ein Satz wie:
„Wir brauchen eine professionelle Standardsoftware.“
Die bestehende Individualsoftware wird als veraltet betrachtet.
Es wird eine neue Lösung eingeführt.
Sechsstellige Beträge werden investiert.
Berater werden engagiert.
Prozesse werden umgestellt.
Schulungen werden durchgeführt.
Und plötzlich stellen alle fest:
Die Standardsoftware kann vieles.
Aber nicht das, was das Unternehmen wirklich braucht.
Denn Standardsoftware muss für Tausende Unternehmen funktionieren.
Die individuellen Besonderheiten eines einzelnen Unternehmens stehen dabei nicht im Mittelpunkt.
Wenn sich das Geschäftsmodell ändert
Besonders spannend wird es, wenn sich Märkte verändern.
Neue Produkte.
Neue Dienstleistungen.
Neue Abläufe.
Neue Kundenanforderungen.
Plötzlich passen die Prozesse nicht mehr zur eingeführten Standardsoftware.
Anpassungen werden teuer.
Sonderprogrammierungen kosten Geld.
Neue Module müssen gekauft werden.
Oder die Software wird erneut ausgetauscht.
Genau das habe ich in der Praxis mehrfach erlebt.
Eine individuell entwickelte Lösung konnte über viele Jahre flexibel angepasst werden.
Die neue Standardsoftware war dagegen deutlich unflexibler.
Am Ende wurde die nächste Standardsoftware angeschafft.
Und wieder entstanden hohe Kosten.
Access ist nicht das Problem
Natürlich hat Access Grenzen.
Für hunderte gleichzeitige Benutzer ist es nicht gedacht.
Für weltweite Cloud-Plattformen gibt es bessere Technologien.
Für hochskalierende SaaS-Produkte ebenfalls.
Aber viele Kritiker verwechseln die Technologie mit der Aufgabe.
Nicht jede Anwendung muss Millionen Benutzer bedienen.
Nicht jedes Unternehmen braucht Microservices, Kubernetes, Azure oder eine KI-Plattform.
Manchmal braucht ein Unternehmen einfach eine Software, die die Arbeit erledigt.
Zuverlässig.
Schnell.
Und bezahlbar.
Moderne Lösungen statt Dogmen
Heute entstehen viele meiner Projekte als Kombination aus mehreren Technologien:
- MS Access als Frontend
- SQL Server als Datenbank
- Webservices und APIs
- PDF-Generierung
- XRechnung und ZUGFeRD
- Outlook- und E-Mail-Integration
- Mobile Erweiterungen
- Cloud-Anbindungen
Access ist dabei oft nur ein Baustein.
Aber ein sehr effizienter.
Deshalb geht es nicht darum, Access um jeden Preis zu verteidigen.
Es geht darum, die passende Lösung für die jeweilige Aufgabe zu wählen.
Mein Fazit
Ist MS Access tot?
Nein.
Es ist vielleicht nicht mehr das Lieblingswerkzeug der IT-Blogs oder Softwareberater.
Aber in Unternehmen wird jeden Tag damit gearbeitet.
Und solange Unternehmen individuelle Prozesse haben, wird es Bedarf für individuelle Software geben.
Deshalb bekomme ich auch heute noch regelmäßig neue Projekte.
Nicht weil Access modern ist.
Sondern weil funktionierende Lösungen niemals aus der Mode kommen.




